TR-Adventskalender #24

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#24: Robert

Heute ist Weihnachten, und was macht man am besten an Heilig Abend wenn man alleine zu Hause rumsitzt?

Richtig, man geht in die Kneipe. So war es irgendwann in den Mitt-2000ern, dass ich mich am 24.12. auf den Weg machte, um gegen 16 Uhr eine schöne Kneipe in der Dresdener Innenstadt zu finden, welche mir die für diesen heiligen Tag notwendige Salbung verschafft. Auf dem Weg in die Neustadt kam mir der Gedanke, dass an diesem besonderen Tag auch besondere Kneipen besucht werden sollten und um diese zu finden suchte ich nach Leuten, die ebenfalls zu ehren Christie Geburt sich gerne einen überhelfen.

Noch im überlegen wen ich Fragen sollte, bemerkte ich kaum, dass sich mein bereits durch ein paar Glühwein recht euphorischer Körper und Geist in Richtung Hansastraße bewegte und ich der um diese Zeit bereits leeren Straße meinen Daumen entgegenstreckte. 10 Minuten später sah ich 2 Lichter in der Ferne, die das erste Auto ankündigten, welches stadtauswärts fuhr. Siegessicher ragte ihm mein trampfreudiger Daumen entgegen und tatsächlich bewegte meine Erscheinung den Fahrer zum Anhalten.

Irgendwie wusste ich nicht so recht wie ich dem Fahrer vermitteln sollte, dass ich eigentlich nur eine nette gastronomische Einrichtung aufsuchen möchte. So meinte ich zu ihm, mich in Lügen verstrickend, ich wolle meine Oma besuchen, die in der Nähe von Görlitz wohnen würde. Da sein Kennzeichen auf Görlitz hinwies lag ich richtig, dass dies mein Ziel werden sollte. Die göttliche Fügung ereilte mich, als sich nach dem ersten bisschen Smalltalk herausstellte dass der Fahrer einfach nur in seine Heimatstadt Görlitz fahren wollte, um dort den restlichen Abend die Bilanzen einer bierausschenkenden Einrichtung zu verbessern. Voller Erleichterung rettete ich mich mit der Bekennung meiner frevelhaften Lüge und der Feststellung, dass wir wunderbarerweise das gleiche Ziel anstrebten.

Dies sollte der Beginn eines exzessiven Abends in den Kneipen von Görlitz sein, mit dem Ende in einem fremden Bett in einer leeren Wohnung.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen gleichwohl wohlgesonnenen Geist der Weihnacht.

TR-Adventskalender #22

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#22: Hauke

Wunderbar. Angekommen in Berlin. Lief doch ganz gut!

Damit es läuft, sollte und wollte ich einige kleine Dinge beachten, denn viele Regeln gibt’s beim Trampen nicht. Eigentlich nur eine: du kommst immer weg. Was mich zur logischen Schlussfolgerung bringt: du kommst auch irgendwann an. Immer.

Das zumindest hatte ich nun geschafft bei meinem ersten Mal trampen.

Mai oder Juni 2008 war‘s und ich wollte vom ‚Grünen Herzen‘ in Kiel zum Couchsurfing Beach Camp nach Berlin.

Damit die eine Regel aber überhaupt ermöglicht werden kann, gibt es wie angedeutet schon ein paar einfache Dinge zu beachten – was sollte ich tun, was besser nicht.

Mit wild schlagender Pumpe machte ich mich auf den Weg zu meinem ausgewählten Spot, hatte ein schickes, gut lesbares ‚Berlin‘-Schild gemalt, meinen dicken Rucksack samt Zelt dabei und stand so wie der letzte Klischee-Tramper am Straßenrand. Gut sichtbar für alle Autos und mit massig Platz zum Anhalten. So weit, so gut. Das waren die ersten Dinge, auf die ich achten sollte. Wuddich und Malte waren schon vorgetrampt und gaben mir solche Hinweise am Tag vorher.

Ganz Klischee hielt nach 4 Minuten mein allererster Lift überhaupt: ein alter Bulli. Ich rein in den Bulli und ab auf die B404 in Richtung Berlin. Das Ganze Vergnügen ging keine Stunde und ich stand wieder draußen irgendwo im nirgendwo zwischen Bad Segeberg und Bad Oldesloe. Direkt hinter der Leitplanke an einer verengten 404-Baustellenstraße. Dass ich beim Einsteigen mal hätte fragen können, wo es denn genau hingeht… naja.

Hinweis 2 von Wuddich und Malte erschien prompt beim Aussteigen aus dem Bulli via SMS auf meinem Nokia 3210: „Lass dich irgendwo rausschmeißen, wo die Leute gut anhalten können.“ Touché.

Das Glück ist ja aber bekanntlich mit den Doofen und so saß ich keine 2 Minuten später bei einem Bundeswehrsoldaten mit im Auto auf dem Weg Richtung Berlin. Reichlich diffuses Gerede später musste er von der Autobahn abfahren und ließ mich an einer Tankstelle raus. In diesem Moment erreichte mich Hinweis 3:

„Achso, und wenn du nochmal umsteigen musst, dann lass dich auf jeden Fall an Raststätten direkt an der Autobahn und nicht an Autohöfen raus!! Da kommst du nicht weg.“

Tanken konnte man hier, direkt an der Autobahn sieht allerdings deutlich anders aus.

Danke für nichts, Jungs!

Also sabbelte ich die spärlich vorhandenen Autofahrer an und hatte bei einem jungen Berliner Pärchen Glück, musste aber noch 10 Minuten warten bis es losgehen konnte. Grund hierfür war das ausgeprägte Gesundheitsbewusstsein der Freundin: erst mit viel Betonung den Salat von McDonald‘s auffuttern („der Ganze andere ungesunde Scheiß geht gar nicht!“), gefolgt vom wegschmökern der Mentholkippe. Alles vor dem Wagen, denn drinnen durfte nicht geraucht werden. Einmal im Auto, verstummten sofort alle Gespräche aller Insassen mit- und untereinander, Techno wurde aufgedreht und ab ging die wilde Fahrt nach Berlin. Irgendwann hörte ich zwischen dem Ballern der 5000W Bass Machine ein kleines Piepen und sah Hinweis 4 auf meinem Handy: „Wenn du in Berlin bist, fahr mit der UBahn zum Bahnhof soundso (vergessen), von da können wir zu Fuß zum Camp.“

Keine 15 Minuten später fuhr der BMW unter Getöse an genau diesem Bahnhof vorbei – die beiden ließen mich raus und ich war angekommen in Berlin beim Camp. Wunderbar.

Dort passierten skurrile Dinge – unter anderem liefen wir unbewusst Pascal Pernod über den Weg, der ~3 Monate später auf dem ersten Tramprennen alle Teilnehmer bei sich in Lausanne übernachten ließ. Das wir zeitgleich am selben Ort in Berlin waren, stellten wir aber erst ein paar Jahre später fest. Ein anderer Future-Host war unser Nachbar‚Ich-koche-Kaffee-mit-Wodka‘-Mario, der wiederum 2009 in Linz die komplette Crew in einer Pfadfinderhütte unterbrachte.

Wie die Rückfahrt verlief, weiß ich nicht mehr. Bin auf jeden Fall angekommen.

 

 

TR-Adventskalender #21

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#21: Johannes

Es ist schon fast vermessen zu sagen, dass ich per Anhalter „gereist“ bin, als ich das erste Mal beschloss meinen Daumen am Straßenrand auszustrecken und auf einen Lift zu warten.
Es war im August 2011 und ich hatte gerade mein Physik Studium in Berlin nach zwei Semestern abgebrochen – zusätzlich zu den Semesterferien somit auch noch weniger Sorgen was Hausarbeiten o.Ä. angeht. Viel Zeit also, um mal ein bisschen durch Deutschland zu reisen und Freunde zu besuchen.

Eine dieser Reisen brachte mich in die kuriose Lage, in einer Kaserne der Bundeswehrakademie in Hamburg zu übernachten. Ein guter Schulfreund hatte beschlossen für das Studium diesen, für mich nicht ganz nachvollziehbaren, Weg zu gehen. Bei meinem Besuch eröffnete er mir dann auch, dass ein Freund von ihm kürzlich ausgezogen war und sein Zimmer noch frei sei – ich hatte also ein Kasernenzimmer für mich. Was folgte, waren drei Tage mit ein paar interessanten Begegnungen und Gesprächen, sowie irritierte Reaktionen aufgrund meiner sichtlichen Nicht-Zugehörigkeit. Aber da es hier um mein erstes Mal Trampen und nicht um drei Tage in einer Bundeswehrkaserne gehen soll, gehe ich da nicht weiter ins Detail.

Nach diesen Tagen, in denen ich natürlich auch einiges von der Hamburger Stadt gesehen habe und einmal am Elbstrand komplett nass geworden bin, ohne einen Fuß ins Wasser zu setzen, ging es für mich erstmal zurück nach Berlin. Die Frage war nur noch wie. Normalerweise wäre ich zu diesem Punkt auf eine Mitfahr-Plattform gegangen, aber ich war im Abenteuer-Modus. Ich hatte Zeit, die Strecke ist gut befahren, einen Edding hatte ich auch dabei – also trampen, dass erste Mal.

Das ich überhaupt auf die Idee kam, lag vor allem daran, dass ich ein paar Monate zuvor beim Weltwassertag auf einer kleinen Demo die Leute von Viva con Agua kennengelernt hatte. Nach einigen Aktionen und Treffen viel mir schnell auf, dass trampen bei vielen von ihnen eine gängige Art des Reisens war. Für mich war es bis dahin noch mehr ein „Steig nicht bei fremden Leuten ins Auto, wer weiß was da alles passieren kann“-Gefühl. Ich war da vor allem geprägt durch die sehr behütete und misstrauische Art meiner Erziehung auf dem Thüringer Dorf.

Die Vorbereitungen waren schnell gemacht – einen alten Sherry Karton aus der Kaserne als Pappe genommen und auf Hitchwiki nachgeschaut, wo der beste Spot nach Berlin ist. Da es eine belebte Strecke ist musste ich nicht lange suchen und fand schnell den Horner Kreisel als besten Liftpoint, einen Kreisel direkt vor der Autobahnauffahrt nach Berlin. Noch schnell die Verbindung mit den Öffentlichen von der Kaserne bis dorthin gecheckt und los ging’s.

Am Kreisel angekommen, war dann auch schnell der beste Platz zum Warten gefunden. Ein guter Indikator waren dabei die Aufkleber und Schriftzüge auf einer großen Säule, die ziemlich klar darauf hinwiesen, dass man hier gut trampen kann. Für Autofahrer gab es ein paar Meter hinter der Säule eine Bushaltestelle, in der sie ohne Probleme anhalten konnten. Immer noch etwas unsicher packte ich meine Pappe aus und schrieb in großen Lettern „BERLIN“ darauf. Es folgte der Punkt, der für mich die größte Überwindung erforderte: mich einfach so mit dem Schild an die Straße stellen, freundlich gucken, Daumen raus halten und hoffen das irgendwer anhält.

So stand ich dann also da, innerlich noch unsicher ob die ganze Sache wirklich funktioniert. Doch bevor ich zwei Mal drüber nachdenken konnte hielt schon ein Mini Cooper neben mir. Etwas ungläubig, dass es so einfach gewesen sein soll, packte ich meine Sachen und ging zur Beifahrertür. Der Fahrer, geschätzt Mitte 40, sagte mir gleich, dass er nach Berlin fährt und fragte, ob ich mit will. Da mein Bauchgefühl keine Probleme mit ihm zu haben schien, warf ich meine Sachen auf den Rücksitz und stieg ein. Was folgte waren ca. drei Stunden Autofahrt mit netter Unterhaltung, einem kleinen Zwischenstopp (bei dem der Fahrer überrascht war, dass ich keine Angst hatte, dass er einfach mit meinen Sachen abhaut) und der ersten getrampten Strecke meines Lebens.

Ich würde gerne noch beschreiben, wie abenteuerlich die Fahrt war, aber alles, was es gefühlt von einer Mitfahrgelegenheit unterschied, war die Zufälligkeit am Anfang, das leere Auto und das fehlende Entgelt. Ich hatte zwar auch schon wirklich nette Mitfahrgelegenheiten aber bei diesem Lift hatte ich das Gefühl, dass die Atmosphäre allgemein gleich etwas freundlicher war, vor allem dadurch, dass der Fahrer früher selbst oft getrampt ist und somit gleich einige Geschichten erzählen konnte.

Dass es auch etwas anders laufen kann und eigentlich jede Fahrt anders ist, habe ich danach noch bei meinen vielen weiteren Reisen per Daumen erfahren. Aber was immer blieb und bleibt ist das Gefühl am Ende des Tages, neue Menschen kennengelernt zu haben.

 

TR-Adventskalender #17

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Ho,ho,ho- Los gehts! Die Weihnachtszeit rückt näher und wir wollen euch etwas ganz besonderes präsentieren: Den ersten Adventskalender auf tramprennen.org. Jeden Tag bis Weihnachten (oder auch daüber hinaus..) gibt es für euch eine Geschichte von unserer allerallerersten Tramperfahrung! Viel Spaß mit den Geschichten und wir freuen uns riesig über weitere “Mein-erstes-Mal”-Geschichten für den Adventskalender. Schickt Eure einfach an gro.nennerpmartnull@ofni. Whoop,Whoop!

#17: Benni

In meinem letzten Schuljahr wollten ein Freund (Sören) und ich dem Lärm und Stress der Karnevalszeit in unserer Heimatstadt Koblenz entfliehen und stattdessen einen Trip durch Deutschland machen.

Zuerst hatten wir vor mit dem Auto zu fahren, doch dann las ich einen Artikel über eine kostenlosen Berlin-Urlaub. In diesem Artikel wurde auch Trampen erwähnt und ich begab mich auf die Recherche zu diesem Thema im Internet. Je länger ich mich mit dem Thema auseinandersetzte, umso mehr Lust bekam ich es auszuprobieren. Und so kam es, dass wir im Auto von Sörens Eltern saßen, die uns Starthilfe gaben und uns zu einer Autobahnraststätte fuhren.

Da standen wir nun, ganz allein auf einer Raste und ganz dem Wohlwollen fremder Autofahrer ausgeliefert. Es war ein neues Gefühl, freudige Erwartung, gepaart mit Hoffnung und ein bisschen Angst – Unsicherheit ist vielleicht der richtige Name.

Die Frage war: Wie fangen wir an?? Ein Schild musste her und dann ging es an den nächsten Schritt: Das Ansprechen. Bis zu diesem Zeitpunkt kam ich in meinem Leben nicht besonders häufig in Situationen, in denen ich komplett fremde Leute ansprechen musste und noch seltener fragte ich sie nach einem Gefallen.

Aber wir wollten ja nach Berlin. Also ging ich auf die erstbeste Person zu und fragte noch verdammt unsicher und aufgeregt, ob sie denn nach Berlin fahren würde. Die Antwort? Nein. Es war gar nicht so schlimm und schwer wie erwartet und nach 15 Minuten und ca. genauso vielen weiteren Absagen, ging ich schon deutlich lockerer auf die Personen zu. Dafür kam aber die Sorge, dass es vielleicht doch nicht die beste Idee war, sich darauf einzulassen. Diese Sorgen wurden sofort weggeblasen und schwappten in Freude über, als ein Mann auf uns zukam und uns anbot, uns bis zur nächsten Raste mitzunehmen, wenn seine Frau und seine Tochter einverstanden sind. Sie waren es und so saßen wir in unserem ersten Lift! Bei der nächsten Raste sprach die Familie nochmal miteinander und wir durften bis Berlin mit ihnen mitfahren. Perfekt! Auf dem Weg hatten wir nette Gespräche und hielten noch bei der ehemaligen innerdeutschen Grenze und besichtigten die Zollgebäude.

Vielen Dank für deine Hilfe Peter!

TR-Adventskalender #15

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Ho,ho,ho- Los gehts! Die Weihnachtszeit rückt näher und wir wollen euch etwas ganz besonderes präsentieren: Den ersten Adventskalender auf tramprennen.org. Jeden Tag bis Weihnachten (oder auch daüber hinaus..) gibt es für euch eine Geschichte von unserer allerallerersten Tramperfahrung! Viel Spaß mit den Geschichten und wir freuen uns riesig über weitere “Mein-erstes-Mal”-Geschichten für den Adventskalender. Schickt Eure einfach an gro.nennerpmartnull@ofni. Whoop,Whoop!

#15: Ole

Freiburg ist schön, vom hölzern aufragenden Turm am Schlossberg aus gesehen ganz besonders. Doch zunächst muss man dort hinkommen. Von Hamburg aus. Per Anhalter. Zum ersten Mal per Daumen unterwegs, beim ersten Mal – dem ersten Tramprennen.

der NDR live dabei

Es ist ein Sonnabend im ausgehenden Spätsommer 2008. Spanien ist Europameister im Fußball, Kid Rock dominiert „All Summer Long“ die Hitparade, 11 mehr oder weniger blutige Tramp-Anfänger mit diversen Rucksäcken stehen im nieselig-kalten Hamburg auf dem Platz vor dem Millerntorstadion im Regen. Start vom allerersten Tramprennen. Einer der Tramp-Anfänger bin ich, zwei, und zwar: zwei besonders große Rucksäcke sind meine. Meinen Kompagnon Kiste habe ich drei Wochen vorher kennengelernt, beide brauchten wir jemanden, der mitkam, ergo wurden wir ein Team. Das Etappenziel: 800 Kilometer nach Süden kommen, nach Freiburg. Unsere Vorbereitung ist abgeschlossen: der halbe Hausstand hängt auf dem Rücken, bis auf ein Zelt, Eddinge, Isomatten, Autobahn-Atlanten und so ein Zeugs halt.

Die ersten Kilometer: easy. Wir finden den Weg zur S-Bahn, zum Bus, zur Raststätte Stillhorn. Das Rauschen der vorbeifahrenden Autos und der Geruch einer Fernfahrer-Bratwurstbude verbreiten Autobahnstimmung. Der schnellste Weg nach Freiburg wäre jetzt die A7 runter. Wir entscheiden uns stattdessen für das Osnabrücker Pärchen, das uns nach intensiven Gesprächsversuchen Kistes spontan mitnehmen möchte und schlagen den Weg gen NRW auf der A1 ein. Mein erster Lift überhaupt ist also ein geräumiger Camper-Van, der seine Reisetauglichkeit in den vergangenen Wochen bei einem Roadtrip durch Skandinavien bewiesen hatte.

Wunderbar, so kann es weitergehen. Ich versinke in Träumen von entspannten spanischen Stränden und wache auf dem Rasthof Dammer Berge auf. Der Parkplatz ist das genaue Gegenteil meines Rucksacks: wohlgeordnete Leere. Schließlich verirrt sich ein altersschwacher Citroen auf der großflächigen Asphaltfläche und kommt kaum 10 Meter vor uns zum Stehen. Wir rennen hin, am gelben Nummernschild und dem fehlenden Außenspiegel links vorn vorbei zum Fahrer. Unsere Französischkenntnisse sind so verkommen wie die offenbar allein aus purer Gewohnheit noch fahrende französische Rostlaube. Und wie sie noch fährt, fahren auch wir wieder. Eingequetscht auf der Rückbank zuckeln wir durch den Ruhrpott und genießen den Ausblick auf niederliegende Industrielandschaften und überholende LKW bei 80 km/h Spitze. Scheiß drauf: Wir kommen voran, das zählt.

Zeit, die anderen Teams anzurufen. Ist ja ein Rennen! Die anderen Enden der Leitungen sind überall, aber nicht kurz vor Freiburg. Wir schlagen uns wacker und werden es auch nicht mehr ins Breisgau schaffen, die Sonne war zu schnell am Ende ihrer Tagestour. Nachtdestination: eine kurzfristig aufgetane Schlafmöglichkeit in Bonn.

Der nächste Morgen am Rhein. Die erste Autobahnauffahrt in der Nähe ist unsere. Kiste hat einer vorbeifahrenden Radlerin einen Stadtplan abgeschwatzt, der uns sagt: diese Gegend ist voller Autobahnen, keine drängt sich wirklich auf. Trotzdem versuchen zwei Daumen ihr Glück. In rascher Folge halten Autofahrer, die uns an ihr Ziel mitnehmen wollen. Aber wir wollen nach Freiburg, nicht zum nächsten Bonner Bäcker mit Frühstücksbrötchen. Mit den voranschreitenden Stunden sinkt die Stimmung unter der strahlenden Sonne. Irgendwann nehmen wir schier wahllos Lifts an zu Orten, die Einheimische als heiße Tipps empfehlen und sich als kalter Kaffee entpuppen.

Wir stehen am Verteilerkreis, an der Autobahnauffahrt Siegburg, am ICE-Bahnhof Siegburg, an der Autobahnauffahrt Siegburg. Den Tipp aus „Hitchwiki“, der Tramper-Ortsdatenbank, für Bonn können wir nicht nehmen: Per Straßenbahn raus aus der Ecke, etwas Laufen, und auf die Raststätte. Kiste hat Bekannten zugesagt, dass er NUR per Anhalter fahren wird und auf gar keinen Fall niemals während des Rennens den ÖPNV nehmen wird und nimmt dieses Versprechen ausgesprochen ernst. Mit dem anbrechenden Nachmittag fühlen wir uns fast heimisch in Siegburg. Neue, kreative Gedanken kommen auf. „Ole, hier wird das nichts mehr“, stellt Kiste treffend fest. „Lass uns ein Taxi nehmen!“

20 Minuten später und 20 Euro ärmer stehen wir an einer Tankstelle neben der A3 und mit uns der erste richtige Lift des Tages. Rasch kommen wir voran, keine drei Stunden später taucht Freiburg höchst real vor unseren Augen auf. Oder jedenfalls: die Outskirts der badischen Universitätsstadt, denn die Autobahn meidet den Kontakt mit Freiburgs Innenstadt um einige Kilometer. Trampen macht Spaß, auch wenn andere von dieser Abfahrt vielleicht sodann die 500 m entfernte Straßenbahn in die Stadt genommen hätten. Wir bleiben uns treu und warten und warten und steigen schließlich in den letzten Lift der Etappe ein. „Wo wollt ihr hin?! Auf den Berg?! Mit dem Gepäck?“ Der Fahrer kennt sich aus und hat Zweifel ob unserer Idee. Der Schlossberg ist das 100 m über uns thronende Etappenziel. Gut, dass wir vom anderen Team mittlerweile erfahren haben, dass wir alle in einem Hostel am Fuße des Ziels unterkommen können. Das Gepäck abgestellt, auf den Turm gerannt, Foto gemacht. Zwei Tage gebraucht, Platz 4 von 5. Und: angekommen!