Interview Käpt’n Karacho & seine Crew

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Deutschland unterliegt Spanien im EM Finale und Karl Marx wäre 190 Jahre alt geworden. Das Jahr 2008 war für die eine oder andere Überraschung gut. In Litauen wurden 9 Kinder pro 1000 Einwohner geboren und bei den olympischen Sommerspielen belegt der Finne Tero Järvenpää im Speerwurf den unglücklichen 4. Platz. Auf Rang 3 schafft es sein Namensvetter und Landsmann Tero Pitkämäki. Während also die Welt am Durchdrehen ist, trampen ca. 12 junge Menschen um die Wette nach Saragossa zur Expo und wollen auf dem Weg auf die Arbeit von Viva con Agua de Sankt Pauli e.V. aufmerksam machen. Das Team “Käpt’n Karacho & seine Crew” beantwortet uns heute einige Fragen rund ums Trampen und natürlich das Tramprennen.

Ahoi Ihr Lieben, erzählt doch mal bitte: Wie seid Ihr zum allerersten Tramprennen gekommen?

Janina: Bei einem unserer ersten VcA-Treffen in Kiel kam Hauke mit der Idee und sogar schon dem Plakat dazu um die Ecke. Für mich klang das im ersten Moment verrückt und mir gingen Bilder von Trampern durch den Kopf, die wir als Kind sahen, aber nie mitnahmen. Sie könnten einen ja überfallen. Ich schlief noch ne Nacht drüber, hatte für den Sommer aber auch noch keine anderen Pläne und entschied mich dann mit zu machen. Zufällig traf ich Franzi auf der Straße und so hatten wir schonmal die Crew zusammen.

Hattet Ihr vorher schon Tramperfahrung?

Janina: Nicht wirklich. Nur mal in Schweden verlaufen und den Daumen als Notnagel benutzt.

Was habt ihr denn so für krasse Erfahrungen gemacht beim ersten Tramprennen?

Janina: Mich hat beeindruckt, dass wir fast jede Nacht bei Leuten, die wir auf dem Weg trafen, übernachteten. Diese spontane Gastfreundschaft Tramper bei sich aufzunehmen, war für mich eine tolle Erfahrung. Die anderen Nächte schliefen wir auf Spielplätzen, bis die Polizei uns meist pünktlich zum Aufstehen weckte.

Trampt ihr jetzt noch? Warum?/Warum nicht?

Janina: Manchmal ja. Wenn ich ne Prise Abenteuer brauche und/oder Geld sparen muss. Auch, um immer mal wieder aus der eigenen Suppe heraus zu kommen und um Geschichten anderer Leute zu lauschen. Mich inspiriert das immer noch sehr, aber es ist seltener geworden.

Gibt’s für euch ein Lieblingsauto zum Mitfahren?

Janina: In Rumänien war es schön auf den offenen Ladeflächen zu fahren und sich den Wind um die Ohren wehen zu lassen. Und in Trucks bin ich auch immer gern gefahren, weil die Fahrer meist interessante Geschichten erzählen. Die sind wie die Seemänner der Straße. Auch, wenn die für ein Rennen eher zu langsam sind…

 Kommt ihr nochmal mit nach Litauen dieses Jahr?

Janina: Leider nein, ich muss einen Film zu ende schneiden und habe auch das Gefühl, dass es schon ok ist, wenn das Rennen nun von folgenden Generationen durchlebt wird.

Was sagt ihr eigentlich so zu 10 Jahren Tramprennen?

Janina: Gänsehaut! Im ersten Jahr konnten wir unsere Nudeln noch für alle auf einem Camping-Kocher kochen und heute bräuchte man eine Großküche. Wenn ich bedenke, wie viel mir diese Reisen gebracht haben – eigene Horizonte erweitert, erleben, was man als Gruppe schaffen kann; wie man im Mikrokosmos Auto innerhalb kürzester Zeit Menschen so nah kommen kann, die man vllt. im ersten Moment noch unsympathisch fand; Tramper werden zu Freunden, Freunde werden zu Trampern… – dann wünsche ich nur so vielen wie möglich das auch zu erleben! Und ich finde es faszinierend, wie wenig in den 10 Jahren passiert ist all den Risikowarnungen zum Trotz. Das zeigt doch, dass die Welt gar nicht so schlecht ist. Zudem all die Spenden, die die Welthungerhilfe für ihre Projekte nutzen konnte. Hut ab und auf die nächsten 10 Jahre!

Und was sagen eure Mütter eigentlich dazu?

Janina: Ich glaube, sie ist nun Trampern gegenüber ganz anders eingestellt und hat sich immer sehr gefreut, dass ich so eine gute Zeit hatte. Insgeheim ist sie aber auch froh, dass ich meine Sommer nicht mehr hauptsächlich trampend verbringe…

Trampen lieber mit Schild oder nur Daumen?

Janina: Mit Leib und Seele;).

Habt ihr sonst noch Tipps und Tricks für Leute die zum ersten Mal trampen?

Janina: Lasst Euer Bauchgefühl immer als Wegweiser angeschaltet und probiert es auf Euren Reisen zu stärken. Der Trick an der Tankstelle funktioniert immer: Mit einer Karte fragen, ob sie nach … fahren und dann, wenn sie schon anfangen Dir den Weg zu erklären, fragen, ob Ihr nicht mitfahren könnt. Rucksäcke, Einkäufe nehmt Ihr gern auf den Schoß und das Baby auf dem Rücksitz haltet Ihr gern bei Laune.